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Weatherdock AG

Segellexikon - Medizin


Medizin

Unterkühlung – Nur eine sofortige Bergung und die richtige Behandlung eines Unterkühlten sind die Garantie für eine schnelle Genesung.
 
Geht ein Crewmitglied über Bord, besteht neben dem Ertrinken die Gefahr der Unterkühlung, wobei die Überlebenszeit im Wasser auch von folgenden Faktoren abhängt: Wasser- und Lufttemperatur, Windstärke und Seegang (Gischtentwicklung und Seeschlag), Ernährungszustand (Dicke und Frauen sind besser gegen Kälte isoliert), Lebensalter (Kinder kühlen schneller aus), Bewegungsaktivität im Wasser (führt zu vermehrter Auskühlung) sowie Isolierungswirkung von Kleidung und Rettungsweste (einteiliges Ölzeug isoliert besser als mehrteilige Kombinationen). Angaben zu Überlebenszeiten bei bestimmten Wassertemperaturen sind somit relativ, da es aber bei niedrigen Wassertemperaturen unter 10 Grad nach kurzer Zeit zu einer Muskelstarre kommt, muss die Bergung durch entschlossene und sichere Manöver sofort eingeleitet werden.
 
Jacht in Luv mittschiffs des Über-Bord-Gegangenen aufstoppen, Maschine auskuppeln. Dicke Festmacherleine mit einer Rettungsschlinge (Palstek mit großem Auge) versehen. Bei agilem Zustand Trittschlinge über Bordwand hängen lassen und auf Klampe Winsch belegen, Schwimmenden mit zusätzlicher Armhilfe an Bord kurbeln. Bei eingetretener Muskelstarre muss ein Helfer die Rettungsschlinge anlegen und dazu eventuell selbst leinengesichert ins Wasser gehen. Schwimmenden über Badeplattform, an Großbaum oder Großschot angekrant an Bord hieven.
 
Körper-
temperatur
Bewusst-
seinszustand
Weitere Anzeichen
Behandlung
34 – 37 Grad Celsius
Bewusstseinsklarheit, d.h. wach, ansprechbar, orientiert
Muskelzittern, Pulsbeschleunigung über 80/min, schnelle Atmung
Trockene, warme Kleidung anlegen, horzitonal mit warmen Decken lagern, warme zuckerhaltige, aber alkoholfreie Getränke geben, beobachten, bis Zittern aufgehört hat.
28 – 34 Grad Celsius
Bewusstseinsgetrübt, d.h.: schläfrig, apatisch, ggf. nicht mehr ansprechbar
Muskelsteife, Pulsverlangsamung auf 30-40 Schläge/min, verlangsamte Atmung (<10 Züge/min.), blassblaue Hautfarbe
Rektale Temperatur mit (Hypothermie-) Thermometer messen in trockene Decken hüllen,
*Hibblersche Wärmepackung anlegen, wenn wach und ansprechbar, warme zuckerhaltige Getränke (kein Alkohol!) geben, Unterkühlten durch regelmäßiges Ansprechen vor Einschlafen bewahren, bis eine rektale Temperatur von mind. 34 Grad Celsius erreicht ist, Bettruhe für wenigstens 24 Stunden einhalten (durch Rückstrom des kalten Blutes aus der Körperperipherie Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhytmusstörungen, sog. „Afterdrop“).
28 Grad Celsius
Bewusstlosigkeit, d.h.: reagiert nicht auf Ansprache oder Schmerzreize
Scheintot, Muskelstarre, Pupillenerweiterung, Puls und Atmung nicht sicher feststellbar
Wiederbelebung durch sofortige Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage, mind. eine halbe Stunde über dass Wiedererreichen einer Körpertemperatur von 34-36 Grad Celsius hinaus, Erwärmungsmaßnahmen (*Hibblersche Wärmepackungen), nach erfolgreicher Wiederbelebung unbedingt (funk-)ärztliche Hilfe suchen, wurde Wasser geschluckt, vorsorglich Antibiotika (z.B. Bactrim) und Mukolytika (z.B. ACC Hexal 200) geben (Gefahr von Pneumonie und Lungenödem).
 
*Hibblersche Wärmepackung: Ein großes Badetuch oder Bettlaken auf circa 30x30 cm zusammenfalten und in der Mitte mit heißem Wasser begießen, etwas auswringen und auf den mittleren vorderen Rumpfbereich (Übergang Brustkorb/Bauch) über der Restkleidung auflegen, anschließend eine Wolldecke und eine Alu-Rettungsdecke darüberlegen und etwa stündlich erneuern, bis sich der Unterkühlte erholt hat. Arme und Beine nicht in die Wärmepackung einbeziehen!
 
Der Gesundheitszustand hinsichtlich einer möglichen Unterkühlung des Crewmitglieds lässt sich durch aufmerksame Beobachtung typischer Symptome und genauere Untersuchung gut einschätzen. Hierzu sollte der Betroffene auf möglichst bewegungsarme Weise in waagerechter Lage in den Salon transportiert und dort vom Ölzeug entkleidet werden (sonstige Kleidung kann zunächst anbehalten werden).
 
 
Seekrankheit – Um einen sicheren Törn zu gewährleisten, müssen wichtige Tips zur Behandlung der Bewegungskrankheit (Kinetose) beherzigt werden.
 
Anzeichen
Leichte Seekrankheit: Blässe, auffällige Schweigsamkeit, Frösteln / Hitzewallungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen:
 
Mittelschwere Seekrankheit: Zittern, Schwindel, aufsteigendes Druckgefühl im Oberbauch, Würgereiz, Erbrechen, Erschlaffen, Gleichgültigkeit;
 
Schwere Seekrankheit: anhaltendes Erbrechen, starke Schwäche, Entschlussunfähigkeit, Apathie, Kreislaufkollaps
 
Behandlung
Leichte/mäßige Seekrankheit: Allgemein gilt: Alles ist recht, was hilft (mancher schwört z.B. auf Ingwerwurzel, Kautabak, Akupressurbänder o.ä.):
  • Betroffenen möglichst Rudergehen lassen (Blick nicht auf den Kompass fixieren);
  • sonst vorderlichen Luv-Platz im Cockpit anweisen, den Horizont in Lee ansehen lassen;
  • leichtes Medikament (z.B. Kaugummi, siehe 10 Tipps) geben;
  • beobachten und regelmäßig ansprechen;
  • Zwieback oder Müsliriegel mit Tee anbieten;
Bei Erbrechen:
  • Tücher und Wasser zum Mundausspülen reichen;
  • Erbrochenes sofort wegspülen;
  • mit Lifeline sichern;
  • geeignete mittelstarke Medikamente geben(siehe 10 Tipps)
 
Gute Plätze bei Übelkeit:
  • Am Ruder
  • auf der Luvbank mit dem Blick zum Horizont
  • Salonleekoje oder auf dem Kajütboden
 
Zehn Tipps zur Vorbeugung
  • Tabletten schon 1 bis 2 Tage vor Törnbeginn
  • keine Schwerwetterfahrt am Törnanfang
  • keine Nachtfahrten an den ersten drei Törntagen
  • bei stärkerem Seegang nicht platt vor dem Wind segeln, sonder vor dem Wind kreuzen (Rollbewegungen lassen nach);
  • nicht mit leerem Magen starten, auf See regelmäßig kleine Mahlzeiten und Getränke einnehmen
  • positives Denken und Sich-Einfügen in die gewollte(!) Situation des Segelns üben
  • Alkohol zu Törnbeginn meiden
  • ausreichende Schlaf- bzw. Ruhezeiten einhalten
  • empfindliche Mitsegler nicht längere Zeit unter Deck schicken
  • Dieselgeruch vermeiden (übelkeitserregend)
 
Behandlung
Schwere Seekrankheit
  • Erkrankten vom Wachdienst befreien
  • in die Kajüte bringen, stärkere Medikamente geben (Zäpfchen/Pflaster)
  • mittschiffs gut zugedeckt in die Leekoje legen
  • Tüten für Erbrochenes neben Koje bereitstellen
  • Flüssigkeit, z.B. Tee mit etwas Zucker und Salz (z.B. Elotrans®) zuführen
  • bei starker Angst Beruhigungsmittel (z.B. Kavosporal®com.) geben
  • bei Anzeichen von Selbstmordgefahr (versuchtes Über-Bord-Springen!) den Kranken sichern, ggf. festbinden, 1 Ampulle Valium (10mg) intramuskulär geben
  • von Freiwache beobachten und betreuen lassen
 
Gewöhnung
Umstellung auf die Schiffsbewegung je nach Seegang nach 3 bis 4 Tagen
 
Schiffsführung
Besonders gefährlich ist die Seekrankheit für den Skipper selbst. Die Reduktion der Entschlussfähigkeit gepaart mit falschem Stolz kann zu weitreichenden Fehlern und Versäumnissen führen (vernachlässigte Navigation, Zeitpunkt zum Reffen verpasst). In dieser Situation sollte der Skipper den fähigsten nicht erkrankten Mitsegler diskret anweisen, wie das Schiff in den nächsten Stunden zu führen ist und sich ansonsten möglichst rasch zu erholen versuchen. Das Medikament Rodavan® ist wegen seine aktivierenden Coffeeanteils günstig, Scopoderm® TTS-Pflaster sollte der Skipper auf keinen Fall verwenden, da die Nebenwirkungen nicht mit einer verantwortlichen Schiffsführung vereinbar sind. Ist ihm seine besondere Neigung zur Seekrankheit bekannt, bei jedem Törn geeigneten Co-Skipper einplanen, der die Schiffsführung vollständig übernehmen kann.
 
 
Anwendung
Medikament
Dosis
Besonderheiten
Vorbeugen
Nausyn®-Tabl.
3x1 tgl. im Mund zergehen lassen, auf See 1 Tabl. Alle 2 Stunden
Schon 2 Tage vor Törn beginnen
Seekrankheit
-leicht
Superpep-forte Kaugummi
Bis zu 4x1 Kaugummi tgl. kauen
Bei ersten Anzeichen von Übelkeit kauen
-mittelstark
Rodavan®-Drg.
 
Bonamine®-Tabl.
 
Vomex-A® Suppositorien
1-2 Dragees max.  3x tgl.
 
3-4x 1 Tabl. Tgl. unzerkaut schlucken
 
1 Zäpfchen bis zu 3x tgl. rektal
Enthält Coffein (Schlafstörungen mgl.)
Sehstörungen möglich, ermüdende Wirkung wird durch Alkohol verstärkt!
Vorteilhaft bei häufigem Erbrechen
-schwer
Scopoderm® TTS-Pflaster (gegen Rezept erhältich)
1 Pflaster hinter das Ohr kleben, Wirkungseintritt erst nach 4-6 Stunden, hält ca. 3 Tage an
Nebenwirkungen: Sehstörungen (!), Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Nicht als Skipper/Wachführer einnehmen!
Gleichzeitige Alkoholeinnahme grundsätzlich vermeiden. Für alle Präparate außer Nausyn® gelten Einschränkungen für Patienten mit Blasenentleerungsstörungen oder Grünem Star (Engwinkelglaukom). Dosierung ist unverbindlich und bezieht sich auf die Erwachsenendosis, grundsätzlich Beipackzettel hinsichtlich der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, möglichen Nebenwirkungen sowie Kontraindikationen und Eignung für Kinder und Schwangere sorgfältig lesen!

 
Verletzungen an Bord – Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen und Verrenkungen zählen zu den häufigsten Verletzungen an Bord. Immer wieder betroffen sind Kopf, Hals, Hände, Kniegelenke und Fußknöchel.
 
Viele diese Verletzungen sind durch Vorsichtsmaßnahmen vermeidbar:
  • bei Manövern stets Segelhandschuhe überziehen
  • rutschfeste Stiefel oder Bootsschuhe tragen
  • keine weiten Sprünge auf das Boot oder den Steg wagen (Hände, Knie- und Sprunggelenke sind gefährdet!)
  • beim Abhalten der Jacht lieber gezielt abfendern, als Hände oder Füße einzusetzen
  • Bullenstander auf Vorwindkursen fahren!
  • Griffleisten an sowie unter Deck sinnvoll montieren
  • Sicherungsgurt für die Arbeit an der Pantry installieren
  • Lifelines bei Vordecksarbeiten tragen
 
Das ganzer Ausmaß einer Verletzung lässt sich nicht immer sofort erkennen, die nachstehende Tabelle gibt Hilfestellungen zur Erkennung und Behandlung stumpfer Verletzungen an Bord. Die Behandlung unter Bordbedingungen setzt eine ausreichend gut sortierte Bordapotheke voraus und sollte je nach Schwierigkeitsgrad möglichst nur von geübten Mitseglern mit guten Kenntnissen der Ersten Hilfe durchgeführt werden.
 

Verletzung
Merkmale
Behandlung
Begleitende Schürfwunden, .z.B. an Händen oder Knien
  • oberflächliche Hautverletzung
  • keine stärkere Blutung
  • mit PVP-Jodlösung reinigen oder sparsam mit Mercuchrom einpinseln
  • großflächige Wunden sauber und trocken verbinden
Prellungen, z.B. an Schultern, Hüften oder Beinen durch Schiffsbewegung im Seegang
  • Schmerz
  • Blutergüsse (blaue Flecken)
  • Schwellung
  • zunächst mit Kühlpackungen kühlen
  • feuchte Umschläge (z.B. mit verdünnter Weleda Arnika-Essenz) anlegen
  • oder „Sportsalbe“ (Diclofenac oder Ibuprofen) auftragen
  • bei stärkerem Bluterguss nach einem Tag Heparin-Salbenverband anlegen
Schädelprellungen durch Anstoßen unter Deck, überkommenden Großbaum bei Patenthalse oder durch Riggbestandteile bei Mastbruch
Schwere Schädelprellungen:
  • lokale Schwellung
  • evtl. Platzwunde
  • Schmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Schwindel (bei einer Gehirnerschütterung)
Schwere Schädelprellungen:
  • Den Verletzten mit leichter Hochlagerung des Kopfes in die Koje legen
  • Schmerzmittel geben (z.B. Paracetamol-500mg, 3x1 Zäpfchen)
  • Prellung („Beule“) kühlen
  • evtl. Platzwunde klammern oder nähen
  • Stirnverband (gefaltetes Dreiecktuch) anlegen
  • Verletzten sorgfältig beobachten und regelmäßig ansprechen
  • keine Nahrungsaufnahme für 6 Stunden
  • Achtung: jede Bewusstseinstrübung ist ein Alarmsignal. Kontakt mit (Funk-) Arzt aufnehmen, da es zu lebensgefährlichen Hirnblutungen und –schwellungen kommen kann, die eine sofortige Verlegung in ein Krankenhaus erfordern
Zerrungen durch plötzliche starke Belastung der „kalten“ Muskulatur
  • Schmerzen im Muskel- bzw. Sehnenverlauf bes. unter Belastung
  • ð Kühlung (Eispack, feuchte Arnika-Umschläge)
  • ð elastische Salbenverbände mit Voltaren-Emulgel
  • teilweise Entlastung der betroffenen Gliedmaße für etwa 5-8 Tage
Sehnenscheidentzündungen besonders an den Handgelenken durch starke, gleichförmige Belastungen (z.B Schleifarbeiten)
  • Schmerzen
  • Schwellung
  • Bewegungsein-schränkung
  • „Knarren“ an der Beugeseite des Handgelenks
  • Eiseinreibungen in der Akutphase
  • kühlende feuchte Umschläge, z.B. mit verdünnter Weleda Arnika-Essenz oder Voltaren-Emulgel, locker mit elastischem Verband fixiert, über Tag und Nacht bis zum Abklingen der Beschwerden
  • längere Belastungspause einlegen
Verstauchungen sind Zerrungen im Gelenkbereich, z.B. durch Körperdrehung, Sprünge oder Umknicken im Sprunggelenk
Am Knie:
  • schmerzhafte Schwellung
  • Gelenkergüsse
  • Bewegungseinschränkung
Am Knie:
  • Kühlpackungen/feuchtkalte Umschläge
  • vorübergehende Schonung
  • elastischer Salbenverband (Voltaren-Emulgel oder Weleda Arnika-Gelee), später, bei anhaltenden Schmerzen und Schwellungszuständen, wegen möglicher innerer Gelenksverletzungen Arzt konsultieren
 
Am Sprunggelenk:
  • typischerweise schmerzhafter äußerer Knöchel
  • Schwellung
  • Bluterguss
  • Fuß hochlegen und kühlen
  • Salbenverband mit Weleda Arnika-Gelee oder Voltaren-Emulgel, später elastischer Verband
  • bei geringer Schwellung und starken Bewegungsschmerzen kann nach 1-2 Tagen der Fuß mit einem dachziegelartigen Tapeverband in eine straffe Fixierung in leichter Auswärtsdrehung gebracht werden.
 
Ein Tapeverband kann ein verstauchtes Gelenk in leichter Außendrehung ruhigstellen. Vor dem Anlegen unbedingt das Bein rasieren und nach dem Anlegen auf Durchblutungsstörungen (Kribbeln in den Zehen) achten, Verband ggf. lockern bzw. neu anlegen. Der Verband verbleibt circa 4 bis 8 Tage.
 
 
Verletzungen an Bord – Brüche und Verrenkungen zählen zu den schweren Verletzungen an Bord. Besonders betroffen sind: Finger, Hände, Arme und Unterschenkel
 

Verletzung
Merkmale
Behandlung
Knochenbrüche einstehen bei gesunden Erwachsenen erst bei massiver Gewalteinwirkung. (Die vielfältigen Bruchformen können hier aus Platzgründen nicht abgehandelt werden.)
  • abnorme Beweglichkeit der betroffenen Gliedmaße
  • Knirschen bei Druck/Bewegung
  • tastbare Kanten unter der Haut
  • Schwellungen
  • Blutergüsse
 
Anmerkung. Die ersten zwei sicheren Bruchzeichen können auch fehlen, so z.B. bei Haarrissen im Knochen oder Absprengungen von Gelenkanteilen z.B. im Handbereich
Im Zweifel sollte eine Verletzung stets wie ein Knochenbruch behandelt werden!
Eine Behandlung der verletzten Gliedmaße mit Bordmitteln kann oft provisorisch erfolgen:
  • Schmerzstillung (Valoron N Tropfen)
  • unter Längszug in natürliche Stellung bringen
  • Ruhigstellung, Polsterung und Schienung (durch Latten und elastischem Verband oder Gips ohne Behinderung der Blutzufuhr)
  • Gebrochene Finger (außer dem Daumen) können nach anfänglicher Schienung an den Nachbarfinger gewickelt werden.
 
Offene Knochenbrüche mit Durchspießung der Haut sind wegen der (inneren) Blutungsgefahr und des Infektionsrisikos besonders heikel:
  • starkes Schmerzmittel (Valoron-N) geben
  • Schockbehandlungen mit intravenöser Infusion (z.B. Ringer-Lösung oder sog. Plasmaexpander)
  • steril verbinden
  • nur in küstenfernen Gebieten den Bruch selber einrichten, sonst ärztliche Hilfe suchen
  • nach vorsichtiger Polsterung schienen
  • Gabe von Antibiotika (z.B. Elobact-Filmtabl.) zur Verhütung einer Knochenmarksentzündung.
  • regelmäßige Kontrolle der Durchblutung (Kälte, Blässe?) und Nervenversorgung (Taubheit, Kribbeln?) der betroffenen Gliedmaße, ggf. müssen Verbände und Schienungen gelockert werden.
 
Allgemein sollte in diesen Fällen der Verletzte so bald wie möglich (max. 10 Std.) ärztlich versorgt werden!
Verrenkungen:
sind Auskugelungen durch (Über-) Drehung z.B. von Schulter oder Fingern
  • Fehlstellungen im betroffenen Gelenk
  • starke Schmerzen
  • sonst keine Zeichen eine Knochenbruches
Allgemeine Behandlung von Verrenkungen:
  • bei Verdacht auf Knochenbruch keine Einrenkung versuchen!
  • Gelenk ohne lange Verzögerung, aber in Ruhe in die Ausgangsstellung zurückbringen
  • starkes Schmerzmittel geben (z.B. Valoron-N Tropfen)
  • misslingt das Einrenken, sollte eine ärztliche Versorgung binnen 12 Stunden erfolgen.
 
Finger:
  • Achsabweichung im Gelenkbereich
Einrenken eines Finger:
  • langsam zunehmenden Zug in Längsrichtung der Fingerachse ausüben
 
Schulter:
  • der Arm hängt in verdrehter Stellung
  • Schulterkontur ist verändert
  • starke Schmerzen
  • Schwellung
  • Blutergüsse
Einrenken einer Schulter (nach Arlt):
  • der Verletzte lässt den Arm im Sitzen über ein gepolstertes Brett (Kojenbrett mit Kissen) in der Achselhöhle hängen
  • der Helfer zieht den angebeugten Unterarm über Minuten nach unten und dreht den Unterarm dann leicht nach außen
  • leichter Druck von vorn auf das Schulterdach erleichtert das Einrenken
Nach dem Einrenken:
  • Schonverband (Desault-Verband oder Armschlinge) über mehrere Wochen tragen
  • ärztliche Nachuntersuchung auf Verletzungen des Kapsel-Bandapparats
 
Einrenkung des Schultergelenks: Der Verletzte lässt den Arm im Sitzen über ein gepolstertes Brett in Achselhöhle hängen, der Helfer zieht den angebeugten Unterarm über Minuten mit zunehmendem Zug nach unten und dreht ihn dann leicht nach außen.

 
 
Bordapotheke – Damit kleine Verletzungen während des küstennahen Urlaubstörns nicht zu fatalen Folgen führen, ist eine gutsituierte Basisapotheke an Bord genauso wichtig wie das Navigationsgeschirr.
 
  • Die Angaben für Basis- und Ergänzungsapotheke gelten für eine Fahrtdauer von 2 Tagen bis zu etwa 4 Wochen mit einer Crew von 3 bis 5 Personen.
  • Die Auswahl der Medikamente den Revier- und Wetterverhältnisse anpassen (z.B. geeigneter Sonnenschutz, keine Zäpfchen in den Tropen).
  • In den Tropen an Malariamedikation denken und vorher Resistenzgebiete und aktuelle Empfehlungen erfragen.
  • Der Skipper sollte vor dem Törn Mitsegler an eigene Medikamente erinnern und aufgeklärt sein über schwerere Erkrankungen
  • Injektionen grundsätzlich nur bei Sachkenntnis verabreichen, ansonsten auf Tabletten /Zäpfchen ausweichen.
  • Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen, Bücher zum Thema lesen.
  • Beipackzettel gründlich lesen!
  • Verfallsdatum der Medikamente vor dem Törn kontrollieren.
  • Das Auffinden der Medikamente erleichtern, z.B. durch Nummerierung der Packungen in Signalfarbe nach dieser Liste.
  • Halten Sie sich im Zweifelsfall bei Ihnen unbekannten Medikamenten und Eingriffen zurück, besser ist die Kontaktaufnahme mit einem (Schiffs-) Arzt über Funk!
 

Anwendung
Wirkstoff bzw. Name
Menge
(nicht Dosis!)
Hinweis
Schmerzen
 
 
 
Leicht
Paracetamol 500mg
30 Tabl.
auch fiebersenkend
mittel bis stark
Talvosilen-forte
2x10 Zäpfchen
(Rp) dto.
Lokal-
Anästhetikum
Scandicain 1%
5x5 ml Ampullen
(Rp) für Wundversorgung
Migräne
Ergo-Lonarid PD
2x10 Supp.
(Rp)
Seekrankheit
leicht
mittel
stark
 
Nausyn
Superpep-forte
Scopoderm TTS
 
2 Röhrchen Tabl.
3x10 Kaugummis
2x5 Pflaster
 
Vorbeugend
schneller Wirkeintritt
(Rp) Wirkeintritt nach ca. 1-2 Std.
Durchfall
Kohle-Kompretten
50 Tabl.
für leichte Fälle
Magen-Darm-Krämpfe, Gallen und Nierenkoliken, Regelbeschwerden
Buscopan plus
3x5 Supp.
 
Magenschmerzen, Sodbrennen
Spasmo-Solugastil
20 Btl.
 
Angina pectoris
Nitrolingual
30 Kapseln
(Rp) z. Zerbeißen
Husten
ACC Hexal 200
25 Brausetabletten
Hustenlöser
Husten/Schnupfen
Rhinotussal
100 ml Saft
auch für Kinder geeinget
Nastentropfen
Nasenöl Ratiopharm
15g
akuter Schnupfen
Halsschmerzen
Kamillosan Mundspray N
30 ml
Halsschmerzen, Zahnfleischentzündungen
Asthma
Berotec 200 Dosier-Aerosol
10 ml Dosier Aerosol
(Rp)
 
Euphyllin quick 200
20 Brausetabl.
(Rp)
 
Prednisolon 5mg
30 Tbl.
(Rp)
Hauterkrankungen
Sunblocker LF 20-30 (z.B. UV-Extrem Gel)
Ca. 100g Gel
Vorbeugung und Schutz nach Sonnenbrand
 
Soventol
50g Gel
Sonnenbrand, Quallenreytheme
 
Canestan
30g Salbe
(Rp) Hautpilz
 
PVP-Jod-ratiopharm
25g Salbe
Schürfwunden
 
Calcium Sandoz forte
20 Braustabl.
bei Sonnenallergie u. Quaddelsucht
Diabetes
Traubenzuckertabl.
3 Päckchen
bei Unterzuckerung
Hautschutz
Silicoderm
50g Salbe
vor Schmutzarbeiten auf Hände auftragen
 
Latex-Einmalhand-schuhe
5 Paar unsteril
für Reparaturen (Motoröl, Epoxy etc.)
Prellungen, Zerrungen
Voltaren-Emulgel
Kavosporal comp.
100g Gel
(auch bei leichten Rückenschmerzen)
Schlafstörungen
Ohrstöpsel
50 Drg.
pflanzliches Mittel
 
 
20 Stück
preiswert und effektiv
Antihistamine
Soventol C
20 Drg.
(Rp) bei Quaddelsucht, Sonnenbrand, Heuschnupfen, Kälteschäden
Infektionen
Bactrim forte Antibiotika
20 Tbl.
(Rp) Harnwegsinfekte, Bronchitis, Reisediarrhoe
Augenerkrankungen
Yxin-Augentropfen
10 Einmaldosen
Nichteitrige Bindehautentzündungen
 
Polyspectran-Salbe
5g Salbe
Augen-, Mittelohr-, Nasenentzündungen
 
Augenklappe
2 Stk. plus Kompressen
Augenverletzungen
Erste-Hilfe-Kasten/Wundversorgung
Erste-Hilfe-Kasten
Latex-Einmal-Handschuhe
1 Stk. nach DIN
3 Paar steril
auf Vollständigkeit überprüfen
für Erste Hilfe u. kleine Operationen
 
Lederfingerlinge
2 Stück
Zur Schienung von Fingerbrüchen
 
Steristrip-Klammerpflaster
1 Pckg.
Wundrandadaption bei kleinen Platzwunden
 
Steriles Einmal-Klammer-
Besteck
1 Set mit Pinzette
zum Klammern von Platzwunden
 
Splitterpinzette
1 Stk./Nirosta
z.B. bei Seeigelstacheln
 
Chirug, Pinzette
1 Stk./Nirosta
Wundversorgung
 
Anatom. Pinzette
1 Stk./Nirosta
dto.
 
Einmal-Skalpell
2 Stück
dto.
 
Einmal-OP-Tuch
3 Stück
dto.
 
Metalline-Verbandstuch 60x80 cm
2 Stück
für großflächige Verbrennungen
 
Hansaplast o.ä.
2 Rollen à 5m
für kleine Wunden
 
Einmalrasierer
5 Stück
vor Naht von Kopfplatzwunden, vor Tapeverband
 
Tapeverband, 5cm breit
2 Rollen
Tapeverbände, z.B. für Sprunggelenk
 
Leukosilk-Band 2,5cm breit
2 Rollen
Klebt (fast) alles
 
Butterfly-Pflaster
10 Stück
für Wunden an Fingerkuppen
 
Alu-Rettungsdecke
2 Stück
bei Unterkühlung
 
Elastische Binden
4 Stück, 8cm
bei Verrenkungen, über Salbenverbände
Einmalkatheterset
Einmalkatheter + Zubehör
3 Stk. zu 16 Charriere ê
bei akutem Harnverhalt
 
(Instillagel)
 
 
Desinfektionslösungen
Kodan-Tinktur forte –farblos-
250ml Flasche
Wunddesinfektion, vor kleinen Eingriffen
 
Mercuchrom
100ml
zum Abtupfen von Schürfwunden
Spritzen
Spritzen 2, 5 und 10ml
Je 5 Stück
(Rp) für Injektionen und örtl. Betäubung
 
Kanülen Gr. 2 und 12
Je 10 Stück
(Rp) dto.
Fieberthermometer
z.B. Hartmann digital
1 Stck. (wasserfest)
bei Fieber, Unterkühlung
 
 
Ergänzungsapotheke – Für die küstenferne Langfahrt muss die Basisapotheke um einige existentielle Medikamente erweitert werden, um die Grundversorgung der Crew zu gewährleisten.
 

Anwendung
Wirkstoff bzw. Name
Menge
(nicht Dosis!)
Hinweis
Schmerzen
 
 
 
stark
Tramal
10ml Tropfen
(Rp) nicht bei Seekrankheit geben
sehr stark
Temgesic forte
20 Sulingual-Tbl.
(BTM-Rp)
Lokalanästhetikum (örtl. Betäubungsmittel)
Scandicain 1% + Adrenalin
5x5ml Ampullen
vor Versorgung stark blutender Wunden (nicht an Fingern, Zehen, Nase verwenden!)
Muskelrelaxanz mit Schmerzmittel
Muskel-Trancopal compositum
10 Zäpfchen
(Rp) gut bei starken Rückenschmerzen
Seekrankheit
Rodavan
3x5 Zäpfchen
Reservemittel (stark)
Durchfall
Kaffeekohle
50g (gemahlen)
Alternativ zu Kohlekompretten
 
Elotrans
20 Btl.
Bei Salzverlust
Verstopfung
Laxoberal-Tropfen
15ml
 
Magen-Darm-Geschwüre
Tagamet
5x4ml Ampullen
(Rp) i.v. bei akuten Magen-Darm-Geschwüren
Kreislaufschwäche
Effortil-Tropfen
15ml
 
Hustendämpfendes Mittel
Codipront
20 Kapseln
(Rp)
Nasenspray bei Heuschnupfen
Livocab
12ml Sprühflasche
(Rp) bei akutem Heuschnupfen
Hallschmerzen
Dolo-Dobendan
20 Lutschpastillen
 
Asthma
Solo-Decortin
3 Ampullen à 250
 
Diabetes
Glucoselösung 40%
3x50ml
Bei Unterzuckerung mit Schock (i.v.)
Hauterkrankungen
Fenistil
50g Gel
Sonnenbrand
 

Die Reiseapotheke - ein Leitfaden zur richtigen Zusammenstellung

 

 

Besonders als Segler sollte man auf eine sinnvolle Zusammenstellung der Reiseapotheke großen Wert legen, denn nicht immer sind die nötigen Medikamente auch noch kurzfristig verfügbar. Der erste Schritt ist in jedem Fall, ein Informationsgespräch mit dem Hausarzt oder Apotheker zu führen. Meistens sind Diesen landestypische Krankheiten, Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten und Sonstiges bekannt. So können Sie sich im Vorfeld schon einmal einen notwendigen Grundbestand an Medikamenten aufbauen.

Des weiteren gibt es natürlich auch Krankheiten und Verletzungen, vor denen sich vorwiegend Segler wappnen sollten:

 

 

Wunden: Der erste Schritt bei der Behandlung einer Wunde ist das Reinigen mit einer isotonischen Kochsalzlösung. Nun folgt die Desinfektion mit einem Desinfektionsspray und abschließend sollte man die offene Stelle mit einem wasserfesten Pflaster oder bei Schnittwunden mit einem Klammerpflaster, um die Wundränder zusammenzuhalten, abdecken. Für größere Verletzungen sind Mullbinden und Kompressen anzuraten.

 

 

Schmerzen: Ganz allgemein ist es hier sinnvoll, Ibuprofen in Tablettenform und in geringer Dosierung mitzunehmen. Es schlägt gut an und hat keine besonderen Nebenwirkungen. Zu empfehlen sind hier die 400-Milligramm-Tabletten, da sie bei Bedarf auch geteilt werden können oder in größeren Mengen genommen werden können. Für Kinder ist es immer sinnvoll noch Paracetamol gegen Fieber oder sonstige Schmerzen mitzunehmen, da dies in geringerer Dosierung schon für Säuglinge verträglich ist. Bei Schmerzen, die durch Verstauchungen und Zerrungen hervorgerufen werden, ist es sinnvoll an ein kühlendes Schmerzgel zu denken, sowie, falls Eisfach an Bord vorhanden, einen Kühlbeutel.

 

 

Seekrankheit: In einschlägigen Fachzeitschriften ist des Öfteren auf die erfolgreiche Zugabe von Vitamin C in Fällen von Seekrankheit verwiesen. Somit ist es sinnvoll einen ausreichenden Fundus an Vitamin-C-Tabletten mitzunehmen. Auch klassische

Reise -kaugummis oder –tabletten sollten an Bord sein, während bei Kindern oft Handgelenksbänder, deren Wirkung sich durch Akupressur entfaltet, die Übelkeit lindern. 

 

 

Durchfall: Wichtig ist hier zu beachten, dass im Zweifel über die Trinkwasserqualität das Wasser immer abgekocht werden sollte, bevor es zum Essen oder Trinken verwendet wird. Wenn es aber dennoch zu Durchfallerkrankungen gekommen ist, hilft Loperamid. Dies ist in Kapselform oder als Tablette(einzunehmen ohne Wasser) erhältlich. Allerdings sollte man vor der Einnahme sicherstellen, dass keine Salmonellenerkrankung vorliegt, denn diese würde in Verbindung mit Loperamid die Beschwerden noch verschlimmern. Außerdem sollte man bei Durchfall ausreichend trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Auch Verstopfung ist ein häufiges Problem bei Reisen. Deswegen ist es auch sinnvoll ein Abführmittel mitzunehmen. 

 

 

Sodbrennen: Es hilft Antazidum, den Kopf beim Schlafen durch ein zweites Kissen höher betten und schlückchenweises Trinken von lauwarmem Wasser oder Milch.

 

Insektenstiche, Verbrennungen:  Im ersten Moment hilft erst einmal Kühlung durch kaltes Wasser oder einen Kühlbeutel. Anschließend sollte man die Stelle mit einem kühlenden Gel, am besten versetzt mit Cortison (Fenistil etc.) einreiben. Insektenschutzmittel, bei Bedarf auch mit einem Zeckenschutz, können Stiche von vornherein verhindern. Bei einer Verbrennung durch Quallenfäden ist es wichtig die zu behandelnde Stelle vorher mit Salzwasser abzuspülen. Verbrennungen durch die Sonne sollte man mit einer Sonnencreme mit relativ hohen Lichtschutzfaktor, abhängig vom Urlaubsziel, vorbeugen. Abends ist eine After-Sun-Lotion anzuraten.

 

 

Pilzerkrankungen: Bei Fußpilz, zu erkennen an Juckreiz oder weißrandiger, schuppiger Haut zwischen den Zehen, helfen am besten spezielle Cremes. Frauen werden öfter vom Vaginalpilz geplagt, der durch Toiletten übertragen wird. Hierfür ist es ebenfalls sinnvoll jeweilige Cremes und Vaginalzäpfchen mitzunehmen.

 

 

 

Wenn nichts von den bisher genannten Maßnahmen und Medikamenten hilft, ist ein Arztbesuch unausweichlich. Hierfür ist es sinnvoll vor der Reise eine europäische Versichertenkarte zu besorgen, mit der Arztkosten im Ausland und notfalls ein Rücktransport in die Heimat erstattet werden. 






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